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Unternehmensnachfolge:
Das sollte bei der Übergabe unbedingt beachtet werden!
Die Unternehmensnachfolge im deutschen Mittelstand ist oft eine Herausforderung – und sie wird nicht selten auf die lange Bank geschoben. Häufig vergehen zwischen den ersten Überlegungen bis zur Entscheidung und vor allem bis zur Umsetzung mehr als fünf Jahre. In diesem Beitrag geben wir praktische Tipps an die Hand, warnen vor den häufigsten Fehlern und stellen interessante Alternativen zu den gängigen Finanzierungen einer Unternehmensnachfolge vor, mit der der Übergang reibungslos stattfinden kann.
Unternehmensnachfolge im Mittelstand: Die Fakten
Ein Generationenwechsel bei kleinen und mittleren Unternehmen ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Will ein Unternehmer in den Ruhestand treten, muss er spätestens fünf Jahre zuvor mit der Planung der Unternehmensnachfolge beginnen. Gelingt es ihm nicht eine Nachfolge rechtzeitig aufzugleisen, kann es im schlimmsten Fall zum Verkauf der Firma kommen. Bestehende Arbeitsplätze, Know-How, Kapital und nicht zuletzt Steuereinnahmen gehen verloren. Aus diesem Grund sind die frühzeitige Beratung und Unterstützung von Unternehmen, die sich in einer potenziell offenen Nachfolge befinden von immenser Bedeutung.
Laut einer Studie der KfW suchen jedes Jahr etwa 125.000 Inhaber mittelständischer Unternehmen nach einer geeigneten Nachfolge.
Besonders für traditionsreiche Familienunternehmen stellt dieser Prozess eine bedeutende und oft emotionale Herausforderung dar. Es ist zu erwarten, dass die sogenannte „Nachfolgelücke“ weiter wächst. Der demografische Wandel führt dazu, dass immer mehr ältere Inhaber über eine Übergabe nachdenken – bereits jetzt ist jede Dritte über 60 Jahre alt. Dieser zunehmende Engpass erhöht den Druck auf die Senior-Generation. Umso erfreulicher ist es, dass der Planungsstand der aktuellen Inhaber so fortgeschritten ist wie nie zuvor: Etwa zwei Drittel der kurzfristigen Nachfolgepläne bis Ende 2024 sind bereits geregelt.
Auffällig ist zudem, dass immer mehr Unternehmer sich aktiv mit dem Thema Nachfolge auseinandersetzen. In den letzten sechs Jahren ist der Anteil derer, die grundsätzlich eine Nachfolgeregelung anstreben, von 35 % auf 41 % gestiegen – eine vergleichsweise starke Veränderung in relativ kurzer Zeit in einem sonst eher stabilen strukturellen Bereich.
Hürden bei der Unternehmensnachfolge: Stolpersteine erkennen und überwinden
Die Unternehmensnachfolge kann für viele Unternehmen eine schwierige und herausfordernde Angelegenheit sein. Die Top sieben Herausforderungen im deutschen Mittelstand sind in der Abbildung verdeutlicht. Angesichts des Mangels an Nachwuchs bei Gründerinnen und Gründern liegt es nahe, dass die größte Herausforderung bei der Unternehmensnachfolge weiterhin die Suche nach passenden Nachfolgekandidat darstellt – ein Hindernis, das mit deutlichem Abstand am häufigsten genannt wird. Doch auch die Einigung um einen Kaufpreis und die rechtliche Komplexität sind nicht zu unterschätzen. Daher gilt in allen Fällen: Je früher und strategischer die Unternehmensnachfolge geplant wird, desto eher kann sie auch gelingen. Knapp jedes sechste Unternehmen sieht eine weitere wesentliche Herausforderung in der Sicherstellung der Finanzierung durch die Nachfolgerin bzw. den Nachfolger.
Jedes zweite Unternehmen sieht akuten Modernisierungsbedarf. Doch heißt das auch, dass die Karten jetzt neu gemischt werden? Ändern sich mit dem Wechsel in der Chefetage neben dem Führungsstil auch personelle Aufstellungen oder gar das Geschäftsfeld? Je nach Unternehmen sind diese Fragen natürlich individuell zu beantworten. Und dennoch zeichnet sich ein Trend ab: Mit dem Generationenwechsel eröffnen sich für die Unternehmen viele Chancen. Insbesondere die Digitalisierung wird als Anlass genommen, sich personell neu aufzustellen und technologische Investitionen mit neuem Schwung anzugehen sowie Marketing und Markenaufbau zu intensivieren. Mit der Unternehmensnachfolge wird vielerorts auch die Entwicklung neuer Geschäftsfelder verknüpft.
Interne oder externe Unternehmensnachfolge:
Beides ist möglich
Von einer internen Nachfolge spricht man, wenn ein Familienmitglied die Geschäftsführung übernimmt. Grundvoraussetzung dafür ist, dass sich alle Beteiligten einig sind: Sowohl über den Zeitpunkt der Nachfolge als auch über die Konditionen und die Erwartungen innerhalb der Familie.
Das muss jedoch nicht immer der Fall sein.
Auch externe Nachfolgen sind möglich. Gerade heute gibt es viele Existenzgründer, die anstelle einer Neugründung lieber ein bestehendes und funktionierendes Unternehmen übernehmen und weiterführen möchten. Nachfolgebörsen haben es sich hier zum Ziel gesetzt, Käufer und Unternehmer zu verbinden und dadurch die Unternehmensnachfolge zu sichern. Eine von diesen ist z. B. die Plattform „nexxt change“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), auf der Verkaufsangebote und Kaufgesuche vermittelt werden.
Auch eine Übernahme durch ein Mitglied aus dem Führungsteam des Unternehmens ist denkbar. Hier spricht man vom Management-Buy-out, kurz: MBO. Der Vorteil einer externen Übernahme: Als Nachfolgerin oder Nachfolger kann man vom ersten Tag an Umsatz erwirtschaften. Das Unternehmen ist am Markt etabliert und die Mitarbeiter sind eingearbeitet. Doch ein Selbstläufer ist es meist nicht, denn um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, muss oft in Wachstum und Technologie investiert werden.
Diese Fehler sollte der Mittelstand bei der Unternehmensnachfolge vermeiden
Ein reibungsloser Führungswechsel braucht vor allem Zeit. Auch wenn der Firmeninhaber noch nicht an den Ruhestand denkt, sollte die Unternehmensnachfolge rechtzeitig, nämlich mindestens drei bis fünf Jahre im Voraus geplant werden. Denn diese ist nicht nur für die Zukunft des Unternehmens von entscheidender Bedeutung, sondern auch schon für die Gegenwart. So spielt die geplante Art der Unternehmensnachfolge für die Investitionsbereitschaft eine wesentliche Rolle.
Mit dem Generationenwechsel an der Spitze sind oftmals zahlreiche Chancen verbunden. Große Veränderungen und Change-Prozesse, die beispielsweise im Bereich der Digitalisierung anstehen, können unter neuer Führung mit frischen Schwung angegangen werden. Doch trotz der für Innovationen vorteilhaften flexiblen Strukturen und flachen Hierarchien in den KMU, zeigt die Erfahrung, dass die Potenziale oftmals ungenutzt bleiben.
Der Wandel zum Unternehmen der Zukunft ist ein Gemeinschaftsprojekt. Externe Nachfolger wollen Veränderungen in der Firma häufig zu schnell durchsetzen. Im Grunde ein guter Ansatz, allerdings müssen alle Mitarbeiter die Veränderungen mittragen. Hier gilt es, als externer Chef zuerst im neuen Unternehmen anzukommen und sich zu akklimatisieren. So kann leichter festgestellt werden, in welchen Bereichen die Bereitschaft der Mitarbeiter für Veränderung besonders hoch ist.
Eine Studie der Commerzbank zeigt, dass mittelständische Unternehmen von einem heterogenen Spitzenmanagement mit einer gemischten Altersstruktur und Betriebszugehörigkeit profitieren. Unternehmen, denen die Umsetzung von Veränderungen erfolgreich gelungen ist, ziehen einen Vorteil aus einem Generationswechsel und erfahrenen Managern, die von außen ins Unternehmen kommen. Junge Nachfolger und Führungskräfte unter 40 Jahren bringen häufig eine Gründermentalität in das Unternehmen und treiben unternehmerische Zukunftsprojekte voran.
Je komplexer die Übergabesituation, desto höher ist der Beratungs- und Finanzierungsaufwand. Erfahrene Nachfolgespezialisten tragen dazu bei, den Wandel geplant und zielgerichtet zu begleiten und zu gestalten. In der Regel wird darüber hinaus noch weitere Expertise etwa von Steuerberatern, Rechtsanwälten oder Spezialisten für Mergers & Acquisitions benötigt.
Im Rahmen der Übergabe müssen – abgestimmt auf den Übertragungsweg – zudem geeignete Finanzierungslösungen für die Nachfolge gefunden werden. Die Finanzierung eines Übergabeprozesses ist häufig ein Thema von besonderer Brisanz. Helmut Karrer, Vorstand von A.B.S. Global Factoring, weiß: „Keine Nachfolge gleicht der anderen – daher sind Lösungen von der Stange hier nicht zu empfehlen. Es muss immer im Einzelfall gemeinsam mit der Hausbank und erfahrenen Spezialisten ein tragfähiges Konzept erstellt werden.“ Dabei ist die Rede von echtem Eigenkapital des Käufers, klassischen Bankkrediten, alternativen Finanzierungsinstrumenten wie Factoring aber auch von öffentlich geförderten Darlehen, die Zinskosten senken können.
Besonderes Augenmerk sollte darauf gelegt werden, ausreichend Liquidität für mögliche strategische Neuausrichtungen sicher zu stellen.
Factoring als tragfähiges Konzept für die Nachfolgefinanzierung
Das ist in der Praxis bei großen Unternehmen oftmals deutlich einfacher als bei kleinen. „Viele kleinere Unternehmen haben bisher noch nicht den Wert von Factoring bei der Unternehmensnachfolge erkannt“, ergänzt Helmut Karrer. „Liquiditätszufluss ist sicherlich ein Hauptvorteil, aber auch die Verbesserung der Eigenkapitalquote und damit des Ratings sowie die Möglichkeit, günstigere Einkaufskonditionen zu erzielen, steigern den Unternehmenswert – und der ist im Übergabeprozess immer der springende Punkt. Bei konkreten Anforderungen sind wir gerne Ihr Sparringspartner und finden mit Ihnen gemeinsam geeignete Finanzierungslösungen.“
