Welche Alternativen zur Innenfinanzierung gibt es? Aussenfinanzierung mit Factoring & andere Massnahmen
Wenn Unternehmen Kapital benötigen, stehen grundsätzlich zwei Wege zur Verfügung: die Innen- und die Aussenfinanzierung. Zu den wichtigsten Alternativen zur Innenfinanzierung zählen Factoring, Kreditfinanzierung, Beteiligungsfinanzierung und Leasing. Als Form der Aussenfinanzierung ermöglicht Factoring Unternehmen, liquide Mittel schnell und planbar verfügbar zu machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Innenfinanzierung nutzt Kapital aus dem eigenen Geschäftsbetrieb (z. B. einbehaltene Gewinne, Abschreibungen), ist aber schwer planbar und gesetzlich eingeschränkt.
- Aussenfinanzierung bezieht Kapital von externen Quellen – typische Formen sind Kreditfinanzierung, Beteiligungsfinanzierung, Leasing und Factoring.
- Factoring zählt zur Aussenfinanzierung: Ein Unternehmen verkauft offene Forderungen an einen Factor und erhält bis zu 90 % des Rechnungsbetrags innerhalb von 24 Stunden.
- Im Gegensatz zu Krediten entstehen beim Factoring keine langfristigen Verbindlichkeiten und die Unternehmensstruktur bleibt unverändert.
- Den grössten Hebel bietet die Kombination mehrerer Massnahmen: optimierte Zahlungsziele, professionelles Debitorenmanagement und der Verkauf offener Forderungen.
Was ist Innenfinanzierung?
Wie es bereits der Name vermuten lässt, stammt das Kapital bei der Innenfinanzierung aus dem eigenen Geschäftsbetrieb eines Unternehmens.
Übliche Formen der Innenfinanzierung sind:
- Selbstfinanzierung über eingehaltene Gewinne
- Finanzierung über Abschreibungsgegenwerte
- Finanzierung durch Vermögensumschichtungen
- Finanzierung aus Rückstellgegenwerte
Vor- & Nachteile Innenfinanzierung
Zwar machen vor allem die Unabhängigkeit von Fremdkapitalgebern, die geringen Kosten (Zinsen etc.) und der überschaubare Aufwand die Innenfinanzierung attraktiv, dennoch birgt sie auch eine Reihe wesentlicher Nachteile:
- Eingeschränkte Planbarkeit: Die Möglichkeiten und das Ausmass einer Innenfinanzierung ist wesentlich vom unternehmerischen Erfolg abhängig und daher nur schwer langfristig planbar.
- Enge Handlungsspielräume: Strenge gesetzliche Regelungen etwa bei Abschreibungen und Rückstellungen schränken den Handlungsfreiraum massgeblich ein bei der Innenfinanzierung.
Was ist Aussenfinanzierung?
Bei der Innenfinanzierung generieren Unternehmen Kapital aus dem eigenen Betrieb, hingegen bei der Aussenfinanzierung kommt das Kapital von einem Kapitalgeber ausserhalb des Unternehmens. Zu den gängigsten Formen zählen Kredite durch Banken und Beteiligungen durch Aktionäre, die frisches Kapital in das Unternehmen einbringen. Die Aussenfinanzierung wird von Unternehmen sowohl zur Überbrückung von wirtschaftlichen Engpässen genutzt als auch, um das eigene Wachstum mittel- und langfristig finanzieren zu können.
Da eine Aussenfinanzierung im Falle von Krediten langfristige Verbindlichkeiten schafft oder bei der Abgabe von Unternehmensanteilen die Unternehmensstruktur nachhaltig verändert, sollten derartige Massnahmen gut überlegt und geplant werden.
Etwas anders verhält es sich mit dem Factoring, ebenfalls einer Form der Aussenfinanzierung. Da man beim Factoring lediglich Forderungen abtritt, die Unternehmensstruktur jedoch unverändert bleibt und keine Zinsschuld entsteht, behält man sich mehr Unabhängigkeit.
Die Vorteile der Aussenfinanzierung auf einen Blick
- langfristige Kapitalerhöhung
- Flexibilität & Planbarkeit
- steuerliche Absetzbarkeit von Kreditzinsen
- Entlastung des Eigenkapitals des Unternehmens
Innenfinanzierung vs. Aussenfinanzierung:
Die wichtigsten Unterschiede
Kurz zusammengefasst: Innenfinanzierung nutzt Kapital aus dem eigenen Unternehmen, während Aussenfinanzierung auf externe Geldquellen zurückgreift. Welche Form sinnvoll ist, hängt von den Finanzierungszielen, der verfügbaren Liquidität und dem gewünschten Handlungsspielraum ab.
Typische Quellen der Aussenfinanzierung
1. Factoring
Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen an einen Finanzierungspartner, den sogenannten Factor – z. B. die A.B.S. AG. Anschliessend zahlt die A.B.S. bis zu 90 % des Forderungsbetrages sofort aus und sorgt damit für unmittelbare Liquidität – ohne dass das Unternehmen auf die Zahlung seiner Kunden warten muss. Je nach Vertragsgestaltung übernimmt die A.B.S. zusätzlich z. B. auch den Forderungsausfallschutz oder das Debitorenmanagement.
2. Kreditfinanzierung
Ein externer Dritter überlässt dem Unternehmen Kapital, das dieses innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens inklusive Zinsen rückzahlen muss. Dabei entsteht kein Anspruch auf Gewinnbeteiligung. Als typische Kredit- und Darlehensgeber treten Banken auf. Auch Lieferanten können einem Unternehmen einen Kredit gewähren.
3. Beteiligungsfinanzierung
Bei einer Beteiligungsfinanzierung gibt man externen Kapitalgebern die Möglichkeit, Anteile des Unternehmens zu erwerben, etwa in Form von Aktien. Das dafür aufgebrachte Kapital geht in das Eigenkapital des Unternehmens über – daher handelt es sich hier um eine Form der Eigenfinanzierung.
4. Leasing
Beim Leasing handelt es sich um ein Dauerschuldverhältnis, in dessen Rahmen ein Wirtschaftsobjekt – das kann zum Beispiel ein Fahrzeug oder eine Maschine sein – für einen vereinbarten Zeitraum zur Nutzung überlassen wird. Das Objekt bleibt im Besitz des Leasinggebers, der Leasingnehmer zahlt für die Nutzung und übernimmt zugleich die Wartungs- und Instandhaltungsverpflichtungen, aber ebenso die Gewährleistungsansprüche.
Factoring als Quelle der Aussenfinanzierung im Detail
Liquidität durch rasch bezahlte Forderungen
Eigentlich ist es ganz simpel: Je schneller Ihre Forderungen beglichen werden, umso mehr liquide Mittel stehen Ihnen zur Verfügung.
- Überlegen Sie, welche Zahlungsziele Sie Ihren Kunden gewähren. Guten Abnehmern kann man durchaus entgegenkommen. Andere, besonders Neukunden, sollten jedoch umgehend für die erbrachte Leistung bezahlen.
- Eine ähnliche Logik gilt auf der Lieferantenseite. Hier können Sie durch längere Zahlungsziele bei der eigenen Beschaffung Spielräume gewinnen und Ihre Marktmacht thematisieren.
- Ein professionelles Debitorenmanagement, effizientes Mahnwesen und eine Versicherung gegen Forderungsausfall sorgen für beschleunigte Zahlungseingänge und sind der verfügbaren Liquidität in erheblichem Masse dienlich.
Aussenfinanzierung durch Factoring
Kombiniert man Maßnahmen zur Beschleunigung der Begleichung von Forderungen mit dem Verkauf von Forderungen, so spricht man von Full Service Factoring. Beim Full Service Factoring kauft ein Finanzinstitut Ihre offenen Forderungen und finanziert bis zu 90 % des Rechnungsbetrags innerhalb von 24 Stunden vor.
So stellt Factoring besonders schnelle und unkomplizierte Liquiditätszuflüsse sicher. Mit dem freien Kapital können Sie beispielsweise Ihre Beschaffungskosten durch das Ziehen von Skontoerlösen senken, Verbindlichkeiten tilgen oder kurzfristige Investitionen tätigen. Gleichzeitig haben Sie ein nachhaltiges Finanzierungskonzept, das langfristig mit Ihrem Unternehmenswachstum korreliert.
Potenziale der Aussenfinanzierung mit Factoring voll ausschöpfen
Der Schlüssel zu stabiler Finanzierung liegt oft im Unternehmen selbst. Marc Meier, Schweiz-Geschäftsführer der A.B.S. AG, gibt hierzu folgenden Tipp:
„Wer seine Finanzierung wirklich effizient gestalten will, sollte mehrere Stellschrauben gleichzeitig bedienen – individuell auf das eigene Unternehmen zugeschnitten. Das beginnt bei der Steuerung von Vertrieb, Fertigung und Lagerbeständen, reicht über klug verhandelte Zahlungsbedingungen mit Kunden und Lieferanten bis hin zu einem professionellen Forderungsmanagement und der Umwandlung offener Rechnungen in sofortige Liquidität. Das Ergebnis: Sie lösen gebundenes Kapital, gewinnen unternehmerischen Handlungsspielraum und bleiben frei von der Abhängigkeit externer Geldgeber. Ihre Finanzierung liegt vollständig in Ihrer Hand. Und der vielleicht grösste Vorteil: Die verfügbaren Mittel wachsen proportional mit Ihrem Umsatz – ohne erneute Verhandlungsrunden und zu attraktiven Konditionen.“
Fragen & Antworten zu Innenfinanzierung & Aussenfinanzierung
Factoring zählt zur Aussenfinanzierung. Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen z. B. an die ABS AG (den Factor, also eine Factoringgesellschaft oder Bank). Das Geld fliesst dem Unternehmen demnach von ausserhalb zu, nicht aus dem eigenen Leistungsprozess. Es handelt sich um eine Finanzierungsquelle, die nicht aus dem betrieblichen Umsatzprozess selbst stammt (das wäre Innenfinanzierung). Häufiger Denkfehler: Weil die Forderungen aus dem eigenen Geschäftsbetrieb stammen, wird Factoring manchmal fälschlich der Innenfinanzierung zugeordnet. Entscheidend ist aber nicht die Herkunft der Forderung, sondern woher das Geld kommt – und das kommt vom externen Factor.
Aussenfinanzierung bedeutet, dass ein Unternehmen Kapital von externen Quellen bezieht. Dazu gehören klassische Bankkredite, Beteiligungen durch Gesellschafter oder Investoren sowie die Ausgabe von Anleihen und anderen Wertpapieren am Kapitalmarkt. Der Bankkredit gilt dabei als die am weitesten verbreitete Form. Auch Leasing und Factoring zählen zur Aussenfinanzierung.
Bei der Innenfinanzierung stammt das eingesetzte Kapital aus dem laufenden Geschäftsbetrieb selbst – externe Geldgeber sind nicht erforderlich. Die benötigten Mittel werden direkt aus dem Umsatzprozess gewonnen. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen, die bei der Kreditvergabe oft strengere Anforderungen erfüllen müssen, ist dieser Finanzierungsweg eine attraktive Option. Da kein Fremdkapital aufgenommen wird, entfällt auch die Notwendigkeit, Sicherheiten zu stellen.
Die Innenfinanzierung birgt trotz Vorteilen wie der Unabhängigkeit von externen Kapitalgebern und geringen Kosten wesentliche Nachteile. Ihre Planbarkeit ist stark eingeschränkt, da sie vom unternehmerischen Erfolg abhängt. Zudem begrenzen strenge gesetzliche Regelungen, etwa bei Abschreibungen und Rückstellungen, den Handlungsspielraum.
Die Aussenfinanzierung bietet gegenüber der Innenfinanzierung mehr Flexibilität und Planbarkeit, da sie nicht vom laufenden Geschäftserfolg abhängt. Sie ermöglicht eine langfristige Kapitalerhöhung, entlastet das Eigenkapital und bietet steuerliche Vorteile durch die Absetzbarkeit von Kreditzinsen. So lässt sich Wachstum gezielt und unabhängig von der kurzfristigen Ertragslage finanzieren.
Die Aussenfinanzierung umfasst vier typische Quellen: die Kreditfinanzierung, bei der Banken oder Lieferanten Kapital gegen Zinsen bereitstellen, die Beteiligungsfinanzierung, bei der Investoren Unternehmensanteile erwerben und so Eigenkapital einbringen, sowie das Leasing, bei dem Wirtschaftsgüter gegen laufende Zahlungen zur Nutzung überlassen werden. Als vierte typische Quelle gibt es Factoring, bei dem Forderungen an Kapitalgeber abgetreten werden.
Beim Full Service Factoring überträgt ein Unternehmen seine offenen Rechnungen an einen Finanzdienstleister, der bis zu 90 Prozent des Rechnungswerts bereits innerhalb von 24 Stunden auszahlt. Dadurch entsteht sofortige Liquidität, die sich etwa für Skontonutzung, den Abbau von Verbindlichkeiten oder kurzfristige Investitionen einsetzen lässt. Ein zusätzlicher Pluspunkt: Das Finanzierungsvolumen wächst automatisch mit dem Umsatz, sodass das Modell langfristig mit dem Unternehmen skaliert.
Der wichtigste Hebel liegt in den Zahlungszielen: Neukunden und weniger etablierte Abnehmer sollten möglichst kurze Fristen erhalten, während bewährte Partner durchaus Spielraum bekommen dürfen. Auf der Beschaffungsseite lohnt es sich, selbst längere Zahlungsfristen auszuhandeln. Ergänzend zahlen sich ein strukturiertes Debitorenmanagement, ein konsequentes Mahnwesen und eine Absicherung gegen Forderungsausfälle spürbar auf die verfügbare Liquidität aus.
Am wirkungsvollsten ist ein Bündel aufeinander abgestimmter Massnahmen: die Optimierung von Vertrieb, Produktion und Lagerhaltung, durchdachte Zahlungskonditionen gegenüber Kunden und Lieferanten, professionelles Forderungsmanagement sowie der Verkauf offener Rechnungen über Factoring. Auf diese Weise lässt sich gebundenes Kapital freisetzen, die Unabhängigkeit von Fremdkapitalgebern sichern – und die Liquidität steigt umsatzkongruent mit dem Geschäftserfolg, ohne Nachverhandlungen und zu vergleichsweise günstigen Konditionen.
Autor des Artikels zu Innen-/Aussenfinanzierung
Marc Meier ist Geschäftsführer der A.B.S. Factoring AG Schweiz und Präsident des Schweizerischen Factoringverbands (SFAV). Seit über zehn Jahren begleitet er Schweizer KMU bei der Finanzierung ihres Wachstums. Dabei setzt er auf Factoring als moderne Quelle der Aussenfinanzierung, um ihre Liquidität nachhaltig zu stärken.
