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Liquidität ist kein Ziel.
Sie ist eine Haltung.
Ein Gespräch mit Thorsten Klindworth, CEO der A.B.S. Global Factoring AG, über die Kunst der Finanzierung in unsicheren Zeiten.
„Liquidität ist das Blut eines Unternehmens.“ Eine Metapher, die so oft bemüht wird, dass man leicht vergisst, was für ein lebendiger, sensibler Organismus ein Unternehmen eigentlich ist. Inmitten multipler Krisen, gestörter Lieferketten und wachsender Unsicherheiten spricht Thorsten Klindworth, CEO der A.B.S. Global Factoring AG, über die Rolle von Finanzierung als strategischem Element – und warum wir lernen müssen, Zahlen nicht nur zu analysieren, sondern zu verstehen.
Herr Klindworth, wenn man über Factoring spricht, geht es meistens um Liquidität. Aber wie betrachten Sie diesen Begriff persönlich – jenseits der Bilanzen?
Liquidität wird oft als technischer Begriff verstanden – als Zahl auf dem Konto. Für mich ist sie mehr als das: Sie ist der Ausdruck von Handlungsfähigkeit. Ein Unternehmen ohne Liquidität ist wie ein Körper ohne Kreislauf. Es verliert seine Beweglichkeit, seine Spannkraft. Deshalb glaube ich: Wer Liquidität vorausschauend steuert, übernimmt Verantwortung – für die eigene Zukunft und für die seiner Mitarbeitenden.
Factoring wird häufig als bloßes Finanzierungsinstrument gesehen – was übersehen viele dabei?
Ich vergleiche Factoring gerne mit einem Frühwarnsystem. Es ist nicht nur eine Finanzierungslösung, sondern auch ein Indikator für das Zahlungsverhalten am Markt, für Bonitätstrends und Liquiditätsrisiken. Unsere Kunden profitieren davon, dass wir nicht nur Geld vorfinanzieren, sondern Informationen mitliefern. In unsicheren Zeiten ist das oft der entscheidende Vorsprung.
Sie sprechen von Unsicherheit. In den letzten Jahren erleben wir multiple Krisen: Pandemie, Lieferengpässe, geopolitische Spannungen. Wie verändert sich dadurch die Rolle von Finanzierungspartnern?
Unternehmen brauchen heute mehr als einen Kreditgeber. Sie brauchen einen Partner, der mitdenkt, mitfühlt, mitplant. Der Mittelstand, den wir betreuen, will nicht nur Geld – er will Orientierung. Unsere Aufgabe ist es, Vertrauen und Sicherheit zu geben. Nicht durch Versprechen, sondern durch Verlässlichkeit.
Zahlen erzählen Geschichten – aber nicht immer auf den ersten Blick. Viele betriebswirtschaftliche Kennzahlen sind wie Eisberge: Nur ein kleiner Teil ist sichtbar, der entscheidende Teil liegt unter der Oberfläche. Welche dieser „unsichtbaren“ Kennzahlen betrachten Sie heute mit besonderem Blick?
Ich bin ein großer Freund von Cash Conversion Cycles. Sie sagen viel darüber aus, wie effizient ein Unternehmen Liquidität generiert und nutzt. Aber noch wichtiger ist die Frage: Verstehen Unternehmen selbst, was ihre Zahlen bedeuten? Viele sind stark im operativen Geschäft – aber wenn es um Finanzierung und Kennzahlen geht, fehlt manchmal die Übersetzung.
Denn Liquidität ist eben kein Ziel, das man irgendwann erreicht und dann abhakt. Liquidität ist eine Haltung – sie spiegelt wider, wie ein Unternehmen denkt, plant und handelt. Wer das verinnerlicht, trifft andere Entscheidungen – vorausschauender, bewusster, resilienter. Genau da setzen wir an.
Technologie verändert diese Landschaft rasant. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in Ihrem Haus – und wie verändert sie das Factoring-Geschäft?
KI kann helfen, Risiken früher zu erkennen, Prozesse zu automatisieren, Analysen zu verfeinern. Aber sie darf nie Selbstzweck sein. Wir setzen KI dort ein, wo sie Mehrwert schafft. Aber die entscheidende Komponente bleibt der Mensch. Gerade im Mittelstand zählt nicht nur der Score, sondern das Gespräch. Die Beziehung. Das Verständnis für das konkrete Geschäftsmodell. Das ist uns wichtig.
Sie führen ein Unternehmen, das Stabilität für andere schaffen soll. Wie bleiben Sie selbst stabil – und innovativ zugleich?
Ich sehe meine Rolle darin, Räume zu schaffen: für Klarheit, für Diskussion, für Verantwortung. Stabilität heißt für mich nicht, alles beim Alten zu lassen – sondern in der Lage zu sein, Wandel zu gestalten. Innovation entsteht nicht durch Druck, sondern durch Vertrauen.
Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für den deutschen Mittelstand – und was wünschen Sie sich als CEO ganz persönlich?
Ich wünsche mir mehr Mut zum Dialog. Zwischen Finanzierern und Unternehmerinnen und Unternehmern, zwischen Technik und Praxis, zwischen Analyse und Intuition. Und persönlich? Dass wir bei A.B.S. weiterhin einen Beitrag leisten dürfen – nicht nur zur Liquidität unserer Kunden, sondern zu ihrer unternehmerischen Freiheit und damit einen wesentlichen Beitrag für unseren Wirtschaftsstandort Deutschland und die anderen Märkte, in denen wir tätig sind und damit unser aller Wohlstand zu leisten. Das treibt mich und mein Team Tag für Tag an.